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FAQ – FÜR ELTERN > 31-40

Allgemeine Fragen für Eltern.

Allgemeine Fragen für Eltern (FAQ)

Fragen und Antworten für Eltern über Hypospadie, Krankheit, Operation, Ablauf etc.

31. Warum wendet Prof. Hadidi die TIP-(Snodgrass-) Technik NICHT an?

Ungefähr 35 % aller Patienten, die in unser Hypospadie-Zentrum kommen, haben eine Komplikation nach eine TIP-(Snodgrass)-Operation. Bei dieser  Technik bleibt in der rekonstruierten Urethra eine rauhe Oberfläche. Diese rauhe Oberfläche zieht sich während der Heilung zusammen, daraus resultiert ein enger Harnröhrenausgang, dadurch entwickelt sich eine Fistel. (Beispiel Gartenschlauch: wenn vorne die Öffnung enger gemacht wird oder ganz verschlossen, sucht sich das Wasser eine andere Schwachstelle und fließt dann dort hinaus (“Weg des geringen Widerstandes”). Das ist dann meistens der Übergang alte / neue Urethra, dort, wo also genäht wurde). Manchmal kommt also der gesamte Urin aus der alten Öffnung. Noch schwieriger wird eine erfolgreiche Korrektur, wenn während der Snodgrass-Operation eine Zirkumzision (Beschneidung) durchgeführt wird. Dadurch ist noch weniger Gewebe übrig, welches für eine erfolgreiche Rekonstruktion der engen Urethra (Harnröhre) verwendet werden kann.


Ein Bericht von einem anonymen Patienten:

Mein Leben mit Hypospadie,

Die angeborene Fehlbildung der Harnröhre wird üblicherweise im frühen Kindesalter operativ korrigiert. Ich bin 28 Jahre alt und bei mir wurde diese Korrektur nicht vorgenommen. Mir ist erst in der Pubertät aufgefallen, dass mein Penis beim Zurückziehen der Vorhaut etwas anders als bei den anderen Jungen aussieht. Mit der Zeit schämte ich mich, hatte Angst bloßgestellt zu werden und wollte nicht mehr in einer Reihe neben den Anderen am Urinal stehen. Um das zu umgehen versuchte ich möglichst allein zur Toilette zu gehen oder wählte die Kabine. Als Sitzpinkler bezeichnet zu werden war weniger leidig als eine mögliche Entdeckung der Hypospadie, was in mir ständige Panik auslöste. Gerade in der Pubertät möchte man nicht „anders“ sein. Ich versuchte die Fehlbildung zu verdrängen und vermied jegliche sexuellen Annäherungsversuche und Kontakte. Es wäre bestimmt besser gewesen, wenn ich mich mit dieser Belastung an meine Eltern gewandt hätte aber ich schämte mich sogar vor ihnen und brachte es nicht über mich das Thema anzusprechen. Das Verdrängen tat ich automatisch und eher unterbewusst als Selbstschutz, weil die aufkommende Panik und das Gefühl anders zu sein auf die Psyche schlugen.

Erst mit 20 Jahren erfuhr ich eher zufällig über das Internet, dass es sich bei meiner angeborenen Fehlbildung der Harnröhre um eine sogenannte Hypospadie handelt und diese auch relativ häufig bei neugeborenen Jungen vorkäme. Die Informationen zu operativen Korrekturen bezogen dabei sich im Wesentlichen auf Kleinkinder. Hier wurde stets hervorgehoben, dass eine Operation im Alter zwischen 12 und 18 Monaten am vorteilhaftesten sei. Ich nahm an, eine erfolgreiche operative Korrektur im Erwachsenenalter sei aufgrund der höheren Komplikationsrate keine sichere Option. Somit verwarf ich erstmal diese Möglichkeit. Trotzdem ging es mir mit der Erkenntnis, dass ich nicht als Einziger diese angeborene Fehlbildung habe und eine Operation grundsätzlich möglich sei, besser. Ab diesem Zeitpunkt fühlte ich mich mit der Hypospadie etwas sicherer und traute mir körperliche Nähe zu. Die Frauen, die ich kennenlernte reagierten ganz unterschiedlich auf die Hypospadie. Ich erfuhr Ablehnung, Gleichgültigkeit aber auch Verständnis. Dennoch gestaltet sich das Kennenlernen relativ schwierig, da mir die Fehlbildung weiterhin sehr unangenehm ist und ich aus diesem Grund schon im Vorfeld darauf achte möglichst nebenläufig in Erfahrung zu bringen, wie diese Person auf solche Fehlbildungen reagieren würde. Das funktioniert natürlich nicht immer wie erhofft und wirkt seltsam konstruiert. Ein normales, entspanntes Kennenlernen ist für mich nicht möglich.

Die Harnröhrenfehlbildung schränkt mich rein funktional betrachtet nicht sonderlich stark ein, vielmehr stellt es eine große psychische Belastung dar. Mit der Zeit fällt es mir immer schwerer sorgenfrei damit zu leben und ich leide darunter. Ich will eine Veränderung und befasste mich daher nochmal intensiv mit Hypospadiekorrekturen für Erwachsene und stieß dabei auf die Webseite des Hypospadiezentrums der Emma Klinik in Seligenstadt. Bereits auf der Hauptseite wird unter dem Behandlungsspektrum die operative Korrektur an Erwachsenen aufgeführt. Ich vereinbarte einen Gesprächstermin bei Prof Hadidi. Dieser erklärte mir unter Anderem geradlinig und plausibel die möglichen Risiken einer operativen Korrektur und wirkte auf mich sehr professionell. Vor allem die Spezialisierung auf Hypospadiebehandlungen, sowie Prof Hadidis Expertise bei Erwachsenen und die internationale Ausrichtung haben mich überzeugt. Ich erwarte jetzt die Operation und hoffe, dass alles gut verlaufen wird.


32. Welche Techniken werden vorwiegend zur Korrektur der Hypospadie angewandt?

In der Literatur werden mehr als 300 Operationstechniken zur Korrektur der Hypospadie beschrieben. Der Chirurg sollte immer die Technik anwenden, die in seinen Händen das beste Result für seinen Patienten bringt.

Folgende Grafik fasst die Techniken zusammen, die Prof. Hadidi bei Hypospadie anwendet:

33. Worauf müssen wir achten, wenn wir nach Entlassung aus dem Krankenhaus mit dem Auto nach Hause fahren möchten?

Im ersten Monat nach der OP muß jedes Trauma (Verletzung) im Genitalbereich vermieden werden, auch zu starker Druck ist sehr schlecht für die Heilung, abgesehen von den Schmerzen, die dadurch verursacht werden.

Darum geben Sie bitte zusätzlich zu den 2 Windeln, die Ihr Sohn am Körper trägt, 2 zusammengefaltene Windeln zwischen den Sicherheitsgurt und Ihren Sohn und machen Sie ausreichend Pausen auf der Heimfahrt.

34. Was ist die bevorzugte Technik bei glandularer Hypospadie (Grad I)?

Bei glandularer Hypospadie ohne Penisschaftkrümmung (Chordee) mit ausreichend langer Urethra bis zur Eichelspitze wendet Prof. Hadidi die “doppelt-umgekehrte-Y-Glanduloplastik” (DYG) an. Bei dieser Technik wird die Urethra mobilisiert und an die Eichelspitze verlagert. Es wird also keine neue Harnröhre konstruiert, daher ist die Erfolgsrate mehr als 98 %.

35. Was ist die bevorzugte Technik bei peniler Hypospadie (Grad II)?

Wenn der Harnröhrenausgang an der körperfernen Hälfte des Penis liegt und keine tiefliegende Krümmung vorhanden ist, bevorzugt Prof. Hadidi die “Slit-Like Adjusted Mathieu-Technik”, kurz: SLAM-Technik.

Bei dieser Technik wird ein Hautlappen aus Penilhaut hochgeklappt und als unterer Teil der neuen Harnröhre verwendet. Die neue Harnröhre kann dadurch genauso weit wie die bereits bestehende Harnröhre konstruiert werden. Die Erfolgsrate bei Operationen durch erfahrene Hypospadie-Chirurgen beträgt mehr als 95 %.

Komplikationen: weniger als 5 % (Fistel, Stenose, Wunddehiszens)

36. Was ist die bevorzugte Technik bei penoskrotaler Hypospadie ohne tiefliegende Penisschaftkrümmung (Grad III a)?

Wenn der Harnröhrenausgang in der körpernahen Hälfte des Penis liegt und keine tieflliegende Penisschaftkrümmung vorhanden ist, bevorzugt Prof. Hadidi die “Lateral Based Onlay-Technik”, kurz “LABO-Technik”.

Bei dieser Technik wird ein Hautlappen aus Penilhaut und Präputialhaut gebildet, um die untere Längshälfte der neuen Harnröhre zu bilden. Die neue Harnröhre kann dadurch genauso weit wie die bereits bestehende Harnröhre konstruiert werden.

Diese Technik ist besonders empfehlenswert bei Patienten mit einer kleinen Eichel. Bei erfahrenen Chirurgen beträgt die Erfolgsrate 93 %.

Komplikationen: weniger als 7 % (Fistel, Stenose, Wunddehiszens)

37. Was ist die bevorzugte Technik bei penoskrotaler/proximaler Hypospadie mit tiefer Penisschaftkrümmung (Grad IIIb)?

Wenn der Harnröhrenausgang in der körpernahen Hälfte des Penis liegt und eine tieflliegende Penisschaftkrümmung vorhanden ist, bevorzugt Prof. Hadidi die “Lateral Based-Technik”, kurz “LAB-Technik”.

Bei dieser Technik wird das hypoplastische Gewebe, welches die Penisschaftkrümmung hervorruft, exzidiert (damit kann sich der Penis aufrichten). Danach werden Hautlappen aus Penilhaut und Präputialhaut gebildet und umgeschlagen, um die neue Harnröhre zu bilden. Die neue Harnröhre kann dadurch genauso weit wie die bereits bestehende Harnröhre konstruiert werden.

Bei erfahrenen Hypospadie-Chirurgen beträgt die Erfolgsrate mehr als 85 %.

Komplikationen: weniger als 15 % (Fistel, Stenose, Wunddehiszens, Divertikulum (Tasche)

38. Was ist die bevorzugte Technik bei perinealer Hypospadie (Grad IV)?

Wenn der Harnröhrenausgang im Perineum liegt (meistens ist dann auch das Skrotum geteilt sowie ein einseitiger oder beidseiter Hodenhochstand liegt vor), bevorzugt Prof. Hadidi eine zweistufige Urethra-Rekonstruktion.

In der ersten Operation wird die Penisschaftkrümmung, ein evt. vorliegender Hodenhochstand korrigiert sowie die Glans (Eichel) weit geöffnet und mit Präputialhaut bedeckt (als Vorbereitung für die Urethroplastik (Harnröhrenplastik).

In der zweiten Operation wird die Urethroplastik bis zur Eichelspitze durchgeführt.

Bei erfahrenen Hypospadie-Chirurgen beträgt die Erfolgsrate mehr als 85 %.

Komplikationen: weniger als 15 % (Fistel, Stenose, Wunddehiszens, Divertikulum (Tasche).

Perineale Hypospadie mit tiefliegender Penisschaftkrümmung:

39. Was bedeutet “Chordee”? Wie beeinflußt eine Penisschaftkrümmung die Operation? Muß diese korrigiert werden?

Chordee ist der medizinische Ausdruck für  Penisschaftkrümmung nach unten. Besonders gut erkennen kann man eine Penisschaftkrümmung bei einer Erektion. Oft tritt eine Chordee in Verbindung mit Hypospadie auf.

80 % aller Patienten mit glandularer oder peniler Hypospadie haben keine Penisschaftkrümmung. Bei den verbleibenden 20 % wird die Penisschaftkrümmung durch zu kurzes oberflächlich liegendes Gewebe verursacht, welches während der Hypospadie-Operation durch Hautmobilisation korrigiert werden kann.

Nach Prof. Hadidis Erfahrung haben 50 % aller penoskrotalen Hypospadie-Patienten keine oder nur eine oberflächliche Penisschaftkrümmung, welche durch Hautmobilisation korrigiert werden kann.

Bei penoskrotaler Hypospadie mit tiefliegender Penisschaftkrümmung (Grad III b) wird diese durch Exzision des kurzen hypoplastischen Gewebes korrigiert, welches in den meisten Fällen distal zur Harnröhrenöffnung liegt.

Bei fast allen Patienten mit perinealer Hypospadie (Grad IV) liegt eine tiefliegende Penisschaftkrümmung vor, welche im ersten Eingriff korrigiert wird.

Es gibt 2 Typen von Penisschaftkrümmungen:

Oberflächliche, auf die Haut beschränkte Krümmung: Bei glandularer Hypospadie tritt nur in äußerst seltenen Fällen eine Krümmung auf. Bei distaler Hypospadie haben 80 % der Patienten keine Penisschaftkrümmung. Bei den verbleibenden 15 % ist die Krümmung normalerweise auf die Haut beschränkt, also oberflächlich und verschwindet mit der Hypospadie-Korrektur, das heißt während der eigentlichen Hypospadie-Operation. Bei oberflächlicher Krümmung liegen die verkürzten Bänder und die Krümmung proximal vom hypospadischen Harnröhrenausgang (siehe Grafik)

Tiefliegende Penisschaftkrümmung, hervorgerufen durch Fibrose und Kontraktur tieferliegenden Gewebes: Nach den Erfahrungen des Autors haben 50 % der Patienten mit penoskrotaler Hypospadie sowie 10 % der Patienten mit distaler / peniler Hypospadie eine tiefliegende Krümmung. Dieses harte, hypoplastische Gewebe und die Krümmung liegen distal vom hypospadischen Meatus (Harnröhrenausgang) (siehe Grafik).

40. Was bedeutet “Nesbit-Prozedur/Technik”?

Bei dieser Technik wird die ventrale Penisschaftkrümmung durch Verkürzung der oberen (dorsalen) Seite korrigiert (dorsale Plikation). Normalerweise ist bei einer Peniskrümmung die Unterseite des Penis kürzer als die Oberseite. Bei der Nesbit-Prozedur wird der Penis durch einen Schnitt/Naht auf der Oberseite aufgerichtet, dadurch erhält die obere Seite des Penis die gleiche Länge wie die Unterseite, jedoch verkürzt sich dadurch der Penis (siehe Zeichnung)

Prof. Hadidi empfiehlt diese Technik zur Korrektur einer Penisschaftkrümmung aus folgenden Gründen NICHT:

  1. der Penis wird verkürzt (eine Fehlbildung an der Penisunterseite wird durch eine neue Fehlbildung an der Oberseite korrigiert)
  2. Auftreten von Schmerzen bei Erwachsenen bei Erektion.

Eine Alternative ist die Technik, welche oben unter “Möglichkeit a” grafisch dargestellt ist, dadurch wird der Penis nicht verkürzt (“Never shorten an already short penis”- “Niemals einen bereits kurzen Penis kürzen”). Hier wird die Unterseite des Penis durch Entfernen des kranken (fibrösen) Gewebes verlängert. Dadurch wird der Penis nicht verkürzt.

Zusammenfassung: bei Vorliegen einer Hypospadie mit tiefliegender Penisschaftkrümmung (Chordee) wird als erster Schritt diese Chordee korrigiert. Dafür gibt es 2 Möglichkeiten, siehe auch Frage 39

  1. Exzision des gesamten hypoplastischen Gewebes, das den Penis an einer Geradestellung hindert. Damit wird der Penis aufgerichtet und länger als vor OP.
  2. Verkürzung der Oberseite des Penis (Nesbit). Damit wird zwar der Penis begradigt, verkürzt sich allerdings auch. Zudem können bei Erektion Schmerzen auftreten: Der Penis vergrößert sich bei Erektion und wird dann durch das harte hypoplastische Gewebe an der Unterseite und durch die Narben an der Oberseite an der Ausdehnung gehindert.
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